Chronik der Stadtkapelle-Musikverein Marbach e.V.

Am 11. November 1900 gründeten 8 musikbegeisterte junge Männer im Gasthaus zum "Hirsch" (heute Marktstrasse 46) eine Musikkapelle, aus deren direkt nachvollziehbarer Folge die heutige Stadtkapelle hervorgegangen ist. Tags darauf berichtet der "Postillon" über diese Konstituierung der Kapelle, die "schon in den allernächsten Tagen mit den Proben beginnt", "da die Instrumente schon beschafft sind". Gewissermaßen als Geleitwort äußert sich das Amts- und Anzeigenblatt "dessen gewiß, daß dieser Beschluß allseitig in unserer Stadt mit Freuden begrüßt wird und wünschen der Kapelle Blühen und Gedeihen". Dieser Wunsch des "Postillon" hat in dem nun 100 Jahre langen Wirken der Stadtkapelle ihren positiven Niederschlag gefunden, der nur durch kriegsbedingte Wirren unterbrochen werden musste.

BLASMUSIK IN MARBACH SEIT 1825

Die Blasmusik aber hat in den Mauern unserer Stadt eine eigentlich schon längere Tradition aufzuweisen, die bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts zurückreicht. So wird in einem Gemeinderatsprotokoll vom Februar 1825 über die Abrechnung von 6 Musikern berichtet, deren Entlohnung je 1 Gulden, 1 Pfund Brot und 1,5 Maß Wein betrug, und die bei einem allgemeinen Markungsumgang in Marbach nicht fehlen durften. Eine solche Markungsbegehung muss damals schon eine entsprechende gesellschaftliche Bedeutung gehabt haben, denn "der Zug marschierte unter Vorantritt der Musikanten vom Rathaus ab" und kehrte abends wieder mit "klingendem Spiel" hierher zurück. Diese Musikgruppe bestand aus dem "Stadtmusikus Mensch" und seinen 6 Musikern.

In den Folgejahren finden sich immer wieder Aufzeichnungen über Ereignisse, die musikalisch im Städtchen bereichert wurden, wie etwa, wenn das "Schützenkorps" unter Begleitung einer Musikkapelle durch die Stadt zog. Genauere Niederschriften existieren aus der Zeit der Revolutionsjahre in Deutschland, als in den verschiedenen Städten eine sogenannte "Bürgerwehr" aufgestellt wurde, die die Schützenkorps ablöste und in Marbach deren "Uniformröcke und Federbüsche ...... als entbehrlich zum Verkauf zu bringen" gedachte. So erscheint im "Postillon" im Juni 1848 eine "Liste über die zur Bürgerwehr gehörige Mannschaft", in deren Folge ein "Musikkorps von 15 Musikern und 4 Tambours" genannt wird, das unter der Leitung des "Staabsmusikus Ch. Mensch, Stadtmusikus" dazu auserkoren war, bei den Aktionen der Bürgerwehr "für die nötige Lautstärke zu sorgen." Dabei tauchen Namen auf wie Eckstein, Reisser, Jauß oder Schmückle, die ab der nächsten Generation bei der Stadtkapelle noch eine Rolle spielen werden.

Der Übungsraum für dieses "Musikkorps" befand sich in der Unterkunft des "Staabsmusikus", der zu den Übungsstunden in öffentlichen Bekanntmachungen die "Mitglieder des Musikcorps ersucht, sich Samstag Abends präcis 8 Uhr in meinem Logis einzufinden." Schon zu dieser Zeit waren die Mitglieder des Musikkorps’ übrigens auf eine differenzierte Bezeichnung von Musikern bedacht, denn in einer öffentlichen Klage beschwerten sie sich darüber, vom Bürgerwehrmann Veiel als "Spielleute" bezeichnet zu werden, was für sie einer Beleidigung gleichkam. In einer beiden Seiten gerecht werdenden Interpretation des "Gesetz über die Volksbewaffnung", auf das sich Veiel berufen hatte, wurde daraufhin vom "städtischen Verwaltungsrath", ein Gremium, das sich offensichtlich mit zivilrechtlichen Dingen befasste, öffentlich bekannt gegeben, dass die Mitglieder "daher Musiker" zu nennen sind.

DER STATDMUSIKUS MENSCH

Die Aufgaben des Stadtmusikus Mensch waren innerhalb der Stadtmauern in damaliger Zeit von vielfältiger Art. Da er auf dem Torturm wohnte, hatte er dort die sogenannte Feuerwacht. Zu seinen Pflichten zählte das Neujahrsblasen, an Kirchentagen musste er im Quartett blasen, gehörte dem o.a. "städtischen Schützencorps" an und ergänzte seinen kargen Unterhalt durch "Unterricht im Klavierspielen, Flöteblasen und Zither spielen." Entlohnt wurde er durch anteilige Drittel aus der Stadt-, Spital- und Armenpflege. Sein Jahreslohn dürfte bei 250 Gulden gelegen haben. Als einmalige Sonderzuwendung erhielt er einmal "für das Einölen seiner Posaune 4 Gulden." Seine musikalische Tätigkeit glich im übrigen der einer Monopol-Stellung, denn Mensch leitete seine Position aus der Jahrhunderte alten Tradition der Stadtzinkenisten ab, die die Oberhand über das musikalische Leben hatten und "wenn Musikaufführungen stattfanden, mußte man beim Zinkenisten nachfragen und ihn verpflichten.” Sicherlich war die musikalische Umrahmung des feierlichen Einzugs der Moskauer Glocke "Concordia" am 16. August 1860, der in Ludwigsburg gemeinsam vom Ludwigsburger und Marbacher Liederkranz begleitet wurde, auch Aufgabe des Marbacher Stadtmusikus´ Mensch, denn in Marbach wurde die "Ankunft des Zuges auf dem Marktplatze .... von dem Musik-Verein mit einem "Schiller"-Festmarsche begrüßt." Mit Musikbegleitung ging es dann zum Schillerhaus und danach wurde die Glocke an ihren Bestimmungsort, der Alexanderkirche, geleitet. In einer Jubiläums-Ausgabe zu seinem 75-jährigen Bestehen vermittelt der "Postillon" bei einem Gang durch die Stadt um 1845 Eindrücke aus dem damals herrschenden kulturellen Leben. Er erwähnt den Stadtmusikus Mensch als Persönlichkeit des geselligen und musikalischen Lebens der Stadt.

".... , er organisierte und dirigierte die Stadtkapelle", die es demnach zu dieser Zeit schon als festen Bestandteil des kulturellen Lebens gegeben hat, denn "von Zeit zu Zeit gab es musikalische Unterhaltung auf der Schillerhöhe oder in einem Saale". In einem Bericht über ein Weihnachtskonzert der Stadtkapelle am 15. Januar 1911 zitiert der "Postillon" die Worte eines Redners, der darauf hinwies, "daß die Stadt Marbach nun das wieder erhalte, was sie in den Jahren 1833-50 unter ihrem ersten Stadtmusikus hatte." Für diese Gestaltung des musikalischen Lebens zeichnete Wilhelm Christian Mensch auch als Direktor des Liederkranzes verantwortlich. Diese konzertanten Abwechslungen innerhalb Marbachs haben sich bis zum Tode von Wilhelm Christian Mensch im Dezember 1866 erhalten. Ab und zu erfährt man von gemeinsamen Konzerten des Liederkranzes und des Musikvereins im Garten des Sonnenwirts Graß. In der Zeit nach dem Tode des Stadtmusikus´ Mensch kam das musikalische Leben in Marbach und insbesondere bei der "Stadtkapelle" nicht zum Erliegen. Im April 1867 annoncierten “Mitglieder der hiesigen Musik", dass "solche durch den Tod des Stadtmusikus Mensch keine Unterbrechung erleidet." Unterzeichnet war der Aufruf, mit dem "gefällige Aufträge entgegen" genommen werden sollten, von den Herren Gottlieb Scholl und Friedrich Theilacker. Beide waren schon 1848 Mitglieder des zur Bürgerwehr gehörenden Musikkorps´. Die Aufrufe schienen Erfolg gehabt zu haben, da sich Berichte über Musikveranstaltungen finden, z. B. bei einem "Landwirthschaftlichen Feste", das mit einem Festzug musikalisch eröffnet wurde und durch die "Klänge der Musik aufs angenehmste" beschlossen wurde. Die Teilnehmer am Krieg gegen Frankreich 1870/71 aus Marbach haben 1872 einen Kriegerverein gegründet, um die Erinnerungen daran wachzuhalten. Im August des Jahres erfolgte die Fahnenweihe des Kriegervereins, die mit einem Festzug zur Schillerhöhe unter Musikbegleitung abgerundet wurde.

DIE KATZ`SCHE MUSIKGESELLSCHAFT

Nähere Erkenntnisse aus der Vorgeschichte zur organisierten Stadtkapelle stammen dann wieder aus den 80-er Jahren. Alfred Lambert Katz, ein 36-jähriger aus Göttelfingen im Schwarzwald stammender ehemaliger Militärmusiker, beendete seine Dienstzeit und ließ sich 1882 in Marbach nieder. Schon im Mai machte er dem Gemeinderat das Angebot, das "Abblasen von Chorälen vom Torturm an Sonn- und Feiertagen" wieder aufleben zu lassen, falls ihm dafür eine Belohnung bewilligt werde. Die abschlägige Haltung des Gemeinderats konnte ihn nicht davon abhalten, mit einigen Mitbläsern diese Tradition auch ohne Belohnung wieder zu pflegen.

Im Winter 1888/89 schien dem passionierten Militärmusiker die Zeit gekommen, eine Musikgesellschaft in den Mauern der Stadt zu gründen. Der "Postillon" erwähnte in einem Tagesbericht im April 1889 diese Musikgesellschaft, "welche nun am Osterfest und gestern vom Oberthorturm einen Choral abblies und dabei schon eine ganz ordentliche Schulung zeigte." Im gleichen Bericht wünscht man ihr "gute Fortschritte und Unterstützung ihres schönen Strebens."

Eine erste größere Bewährungsprobe hatte die Katz´sche Musikgesellschaft im Juni desselben Jahres bei den Festlichkeiten zum 25-jährigen Regierungs-Jubiläum seiner Majestät des Königs zu bestehen. Das Fest "verlief bei patriotischen Gesängen .... und den ganz braven Vorträgen der Musikkapelle" zur Zufriedenheit aller, was den unermüdlichen Alfred Lambert Katz zu einer erneuten Eingabe beim Gemeinderat bewog.

Doch noch immer schien man nicht von einem langen Fortbestehen seiner Kapelle überzeugt zu sein und bewilligte ihm mehr anerkennungshalber auf Weihnachten 20 Mark, womit die Verpflichtung verbunden wurde, bis dorthin die Sonn- und Festtage mit Choralblasen vom Torturm einzuleiten.

Für ihn und seine 5 Mitstreiter war diese Zuwendung nicht besonders ergiebig, doch immerhin hatte er damit einen Teilerfolg erstritten und diente als Grundlage für weitere Anfragen. Im Sommer 1890 gelang ihm dann quasi der Durchbruch, denn der Gemeinderat bewilligte ihm und seinen Bläsern vierteljährlich 30 Mark unter der Bedingung, das sonntägliche Choralblasen vom Obertorturm herab mit mindestens vier Bläsern fortzuführen.

In den Folgejahren übte Katz mit seinen Musikern diese Tradition pflichtgemäß aus und "war bemüht", die Vorträge seiner "Stadtmusik" auch bei anderen Anlässen, wie beispielsweise dem vom Kriegerverein initiierten "Tag von Sédan", "möglichst gut auszuführen." Ende 1898 hatten jedoch die Bemühungen von Alfred Lambert Katz um die Einrichtung einer ständigen Blaskapelle in Marbach einen Dämpfer erlitten, denn die Stadtverwaltung stellte mit dem Ablauf des Oktober 1898 die städtischen Zuwendungen an die Musikgesellschaft ein, worauf die Auflösung der Kapelle erfolgte.
Katz selbst trat im Herbst 1898 als Turbinenwärter in die Dienste des Elektrizitätswerkes ein und hatte zur Zeit des Kraftwerksbaus die Konzession für eine Kantine inne. Die Nachfolger und Neugründer der Stadtkapelle im November 1900 hatten noch lange mit der landläufigen Aussage über die "Katzenmusik" in Marbach zu kämpfen, die nach all den Ausführungen zu urteilen nichts über die Qualität der Blasmusik im Städtchen aussagte, sondern eher als liebevolle Deutung der gespielten Musik aufzufassen ist.

DIE GRÜNDER DER STADTKAPELLE MARBACH

In diesem Sinne waren die Herren August Hildebrand, Gustav Schmückle, Fritz Stiegler, Ernst Stiegler, Karl Boshart, Ludwig Mahr, Wilhelm Reißer und Christian Reichert auch an die Neugründung einer Stadtkapelle herangegangen. Mit finanzieller Unterstützung des Gemeinderats Karl Görick machten sie sich daran, die notwendigen Instrumente anzuschaffen und mit den Proben zu beginnen. Gustav Schmückle übernahm schon bald organisatorische Aufgaben und setzte sich in der Kapelle dafür ein, durch "Einigkeit und zielbewußte Arbeit" das zu "erreichen, was sie erstrebt." Als Dirigent konnte der aus Ludwigsburg stammende Musikdirektor Josef Stolz gewonnen werden, der wie Alfred Lambert Katz ebenfalls ehemaliger Militärmusiker war.

Schon nach einem Jahr erhielt die Stadtkapelle, wie ihre Vorgänger der Katz´schen Musikgesellschaft, einen städtischen Zuschuss von 120 Mark und hatte dafür jeden Sonntag einen Choral vom Torturm zu blasen. In den Anfangsjahren zahlten die Musikanten zur Finanzierung des Dirigenten und anderer Auslagen für jede Probe einen Beitrag von 50 Pfennigen, was gegen Ende des ersten Jahrzehnts zeitweise auf 20 und 30 Pfennig reduziert wurde. Der Dirigent erhielt monatlich im Durchschnitt 15 Mark für Musikstunden und Fahrgeld, darüber hinaus für Auftritte extra Zahlungen. Durch fleißiges Einspielen bei verschiedenen Auftritten konnte der für die Kasse Verantwortliche immer ausgeglichene Bilanzen vorlegen, die sich meist unterhalb der 100-Mark-Grenze bewegten.

Diese finanziellen Drahtseilakte konnten hin und wieder durch private Spender aufgefangen werden, wobei sich u.a. die Stadtschultheiße Haffner und Härtner der Stadtkapelle gegenüber sehr erkenntlich zeigten. Noten- und Instrumentenbeschaffung rissen manchmal ein tiefes Loch in die Kasse der "Musik-Kapelle", ein monatlicher Saldo von 1,54 Mark ließ wahrlich keine großen Sprünge zu, so dass man 1903 schon einmal einen Versuch wagte, einen Musikverein zu gründen, um die finanzielle Basis durch passive Mitglieder auszuweiten. Dieser Versuch scheiterte mangels Interesse in der Bürgerschaft und wurde auch lange Jahre hindurch nicht mehr in Erwägung gezogen.

WERBEN UM MUSIKER UND AUFTRITTE

Da sich die Auftritte der Stadtkapelle nicht nur innerhalb Marbachs in den ersten Jahren immer mehr häuften, sahen sich die Mitglieder der Kapelle gezwungen, durch einen öffentlichen Aufruf im "Postillon" für neue Musiker zu werben. In einer Annonce vom 29. November 1901 suchten sie deshalb zur Erweiterung der Kapelle um 4 bis 5 Mann im "kommenden Winterhalbjahr ..... anständige musikalische Männer, welche Lust haben, der Kapelle beizutreten".

Die angestrebte Zahl von 4 bis 5 Neuzugängen konnte zwar nicht ganz erreicht werden, jedoch weisen die Eintragungen im Kassenbuch ab Januar 1902 drei weitere Musiker namens Wittlinger, Thumm und Stiegler auf, womit sich die zwischendurch immer wieder wechselnde Zahl an aktiven Musikern inzwischen auf 10 erhöht hat.

Einen vorübergehenden Höchststand erreichte die Kapelle Mitte 1908 mit 11 Mann. Die geringe Zahl an Musikanten war den Musikern der Stadtkapelle aber eher noch ein Ansporn, sich bei zahlreichen Veranstaltungen in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Einige der aktiven Musiker waren selbst Mitglied in dem bereits 1872 gegründeten Kriegerverein, und so war es für die Stadtkapelle nahezu eine Selbstverständlichkeit, weiterhin das Gedenken der württembergischen Truppen über den "Tag von Champigny und Villiers", an dem diese einen Ausbruchversuch der französischen Truppen erfolgreich verhinderten, musikalisch zu begleiten. Viele kulturelle Ereignisse und Festivitäten wurden "durch die harmonischen Weisen unserer Stadtkapelle umrahmt." Liederabende des Liederkranzes und des Männergesangvereins, Familienabende bei der Feuerwehr, die jährlich wiederkehrenden Feiern des Hannenherbstes oder Weihnachts- und Fastnachtsveranstaltungen des Turnvereins waren Auftrittsgelegenheiten der Stadtkapelle, die diese auch gerne wahrnahm, finden sich doch in den Aufzeichnungen auch hin und wieder Hinweise auf eine "stiefmütterliche Behandlung von den hiesigen Vereinen" und "daß die Kapelle auch von den verehrlichen Vereinen, welche im Laufe des Sommers Festlichkeiten abzuhalten gedenken, mehr berücksichtigt würde". Der Verein Gewerbetreibender Marbachs nahm dann die "Stadtmusik" sogar zu einem Ausflug nach Backnang mit, um konzertant unterhalten zu werden. Die Einweihung der Turnhalle 1904 wurde unter den Klängen der Stadtkapelle vollzogen und bei der Beerdigung der Stadtschultheißen Traugott Haffner (1903) und Johannes Härtner (1907) war es für die Mitglieder der Stadtkapelle eine Ehre, ihre jahrelangen Gönner mit Trauermusik auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Den Trauerzug für Bürgermeister Wilhelm Kopf führte die Stadtkapelle 1952 durch die Straßen der Stadt ebenso an wie sie 1990 die Beisetzungsfeierlichkeiten für Bürgermeister Hermann Zanker musikalisch umrahmte.

"VEREINIGTE MUSIK - KAPELLE MARBACH - BENNINGEN"

Die Harmonie der Anfangsjahre erhielt im Laufe der Zeit immer mehr Risse. Nach nahezu 10 Jahren friedfertigen Musizierens war ein Teil der Musiker mit ihrem Dirigenten Stolz nicht mehr zufrieden. Er war ihnen eben doch zu sehr ein "Kommiß-Mann", und sie sahen mit ihm den weiteren Erfolg der Kapelle gefährdet. So schlossen sie sich Ende 1909 mit Benninger Bläsern zur "Vereinigte Musik-Kapelle Marbach-Benningen" zusammen und gaben auch schon am 15. Januar 1910 unter ihrem Dirigenten Brückmann aus Ludwigsburg ihre erste gemeinsame Weihnachtsfeier, der noch mindestens eine weitere und auch ein gemeinsames Sommerfest folgen sollten. 

Mit den restlichen bei der Marbacher Kapelle verbliebenen Musikern arbeitete der Marbacher Dirigent Josef Stolz unbeirrt weiter und erhielt auch vom Gemeinderat nach anfänglich ablehnender Haltung einen städtischen Zuschuss fürs Choralblasen seiner dezimierten Kapelle gewährt.

Kommunalpolitischer Streit bahnte sich an, als es um die Frage ging, welche der beiden Kapellen mit Marbacher Beteiligung nun 1912 das anstehende 50-jährige Jubiläumsfest der Marbacher Feuerwehr musikalisch gestalten dürfe. Der Gemeinderat wollte sich in dieser brisanten Frage nicht festlegen und überließ der Feuerwehr die Entscheidung, wen sie zu ihrem Jubelfest einladen wolle, im Zweifelsfalle eben beide. Damit war auch dieser Streit aus der Welt geschafft und die Harmonie schien wieder eingekehrt.

Ein kurzes Aufflackern von Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Marbacher Stadtkapelle deutete auf ein endgültiges Aus hin, "doch Musikdirektor Stolz konnte sie noch einmal zusammenhalten.” Doch schon Ende 1911 zeigten sich Auflösungserscheinungen in der Beziehung der "Vereinigten Musikkapellen" der beiden Nachbargemeinden. Es dauerte dann noch bis April 1913, bis beide Kapellen wieder getrennte Wege gingen und die 15 Marbacher Musiker in ihrer Stadtkapelle wieder vereint waren.

In der Zwischenzeit hatte die Marbacher Stadtkapelle im Januar 1913 mit einer sogenannten Winterunterhaltung eine kleine Tradition eingeleitet, die im Februar 1914 unter dem nun auch in Marbach dirigierenden Herrn Brückmann fortgesetzt wurde, durch den Kriegsausbruch 1914 aber eine jähe Unterbrechung erfuhr. Das gesamte musikalische Wirken der Stadtkapelle war dadurch unterbrochen, dass alle Musiker zum Kriegsdienst einberufen wurden. Drei ihrer Kameraden blieben im Krieg: Karl Stiegler, Friedrich Jauß und Heinrich Stiegler.tl_files/MV/DerVerein/vereinschronik-Dateien/image009.jpg

NEUBEGINN NACH DEM 1. WELTKRIEG

Die Wunden des Krieges konnten bei den Musikern die Freude am Musizieren nicht mindern. So fanden sie sich unmittelbar nach Kriegsende unter der vorübergehenden Leitung von Rudolf Stiegler wieder zusammen und ließen Mitte Oktober 1919 zum erstenmal seit Kriegsbeginn vom Obertorturm herab ihre Weisen erklingen, "was unter der Einwohnerschaft allgemeine Freude hervorrief und diese wieder an die gute alte Zeit und die Gebräuche vor dem Kriege erinnerte", wie es der "Postillon" meldete.

Die Leitung der Kapelle übernahm im Oktober 1919 der Berufsmusiker Willy Wolff, der seine Erfahrungen durch langjährige Tätigkeit in größeren Kapellen und Theaterhäusern sammeln konnte und außerdem als 1. Flötist und 1. Geiger 1901 beim Norddeutschen Lloyd für eine Schiffsreise durch das Mittelmeer nach Ostasien und Australien verpflichtet gewesen sein soll. Er heuerte in Marbach an, wo er mit der Stadtkapelle "ganz bedeutende Fortschritte zu verzeichnen hat" und zog später weiter nach Pforzheim und übernahm Musikkapellen im Enzkreis.

Nur dürfte ihm als Berufsmusiker die Arbeit mit einem zahlenmäßig kleinen Laienorchester nicht die erwartete Erfüllung gebracht haben. Er setzte alles daran, das Blasorchester zu erweitern. Und so gelang es ihm, trotz mancher Widerstände, ein erneutes Zusammengehen mit der Benninger Kapelle in die Wege zu leiten, um dadurch die musikalischen Leistungen zu steigern und größeren Festlichkeiten gewachsen zu sein.

ERNEUTER VERSUCH: MARBACH - BENNINGEN

Im Juli 1920 wurde deshalb aufgrund des schwachen Standes beider Kapellen der Zusammenschluss vereinbart. Die Regularien besagten, dass wöchentlich 2 Proben abgehalten wurden, die "Hauptprobe" in Marbach und die "kleine Probe" in Benningen. Probelokal waren jeweils die Turnhallen der beiden Gemeinden. Die technischen Aufgaben wurden gleichmäßig verteilt, Sitzungen hielt man in Marbach und in Benningen ab.

Dieses Mal zeigte sich die Marbacher Stadtverwaltung bei der Gewährung eines Zuschusses nicht so bedeckt und genehmigte im selben Jahr noch einen Betrag von 500 Mark. (In der Erhöhung des Zuschussbetrags spiegelt sich das Ende des Glanzes der "Goldenen 20-er Jahre" wider). Diese Summe war allerdings an die Bedingung geknüpft, "befriedigende Leistungen" nachzuweisen und auf Verlangen (und gegen Bezahlung) Trauermusik zu spielen. Darüber hinaus wurde man dazu verpflichtet, einige Male im Sommer auf der Schillerhöhe oder einem entsprechend geeigneten Platz Standkonzerte abzuhalten.

Doch schon ein halbes Jahr später teilten die Marbacher ihren Benninger Musikfreunden mit, "daß Herr Wolff von Seiten der Marbacher Kapelle seines Amtes enthoben worden ist." Eine gemeinsame "Frühjahrs-Unterhaltung" wurde noch vereinbart und durchgeführt, doch am bevorstehenden "württembergischen Musikfest" in Leonberg schieden sich die Geister. Was den erneuten Bruch der Zusammenarbeit hervorrief, war letztendlich die Frage, wer bei einem eventuellen guten Abschneiden beim Wertungsspiel in Leonberg den Siegerpokal beanspruchen dürfe und um einen Streit zu vermeiden, "hält Marbach es für besser, daß jede Kapelle für sich am Preisspiel teilnimmt, was schließlich (von beiden Parteien) gutgeheißen wurde." So kam es im Juni 1921 zur erneuten Trennung der beiden Kapellen.

GRÜNDUNG DES MUSIKVEREINS

Nach diesem Exkurs nun zurück in die Zeit der Goldenen Zwanziger Jahre, in denen landauf landab viele Musikvereine gegründet wurden. So auch in Marbach, wo ein erneuter Anlauf zum Erfolg führte und sich am 4. März 1922 auf Anhieb 60 passive Mitglieder beim Musikverein einschreiben ließen. Im folgenden Jahr hatte man bereits 129 passive Mitglieder, die den Verein fördern halfen. Erster Vorsitzender war Gotthilf Jauß, sein Stellvertreter Rudolf Stiegler war gleichzeitig Dirigent der Kapelle. Das bereits vorhandene Inventar, das Notenmaterial und die Instrumente wurden vom Verein übernommen, durch eine Kommission geschätzt und deren Gegenwert an die Musiker ausbezahlt. Damit wollte man für die Zukunft interessierten Zöglingen durch die Bereitstellung eines Instruments den Eintritt in die Stadtkapelle erleichtern.

Voller Elan ging man beim jungen Musikverein gleich an die Verwirklichung großer Aufgaben. Man hatte die Ausrichtung des 2. Bezirksmusikfestes übernommen, bereitete alles aufs Beste vor, war bei der musikalischen Eröffnung am Sonntag durch die Tagwache frühmorgens um 5.30 Uhr noch recht optimistisch, musste dann allerdings den restlichen Ablauf des Festsonntags wegen des anhaltenden Regens in die Turnhalle verlegen.

Darunter dürfte die Vereinskasse dermaßen gelitten haben, dass man bei der nächsten Hauptversammlung bei der Stadtverwaltung um eine Erhöhung des Zuschusses fürs Turmblasen einkam. Gleichzeitig musste der Vierteljahresbeitrag von 3 Mark im Gründungsjahr auf 120 Mark erhöht werden, zweifellos auch eine Folge der damals in Deutschland vorherrschenden inflationären Entwicklung.

STREICHORCHESTER

Trotz aller widrigen Umstände ließen sich die Mitglieder des Vereins und seiner Kapelle aber nicht entmutigen, sondern suchten weitere Möglichkeiten der musikalischen Abwechslung. Da sich bereits im November 1919 ein Streichorchester in der Öffentlichkeit präsentierte und bei einem Konzert einen sehr guten Anklang fand, nahm man diese Einrichtung wieder auf und setzte bei der Gestaltung von Festlichkeiten und Banketten verstärkt ein Streich- oder Salonorchester ein, das hin und wieder von Bläsern verstärkt wurde.

Die Annalen berichten in mehrjährigen Abständen von der Neugründung eines Streichorchesters, woraus sich schließen lässt, dass deren Existenz immer auf wackeligen Füßen stand. Der Faden von Streichmusikern zieht sich von den ersten Versuchen 1905 über die 30-er Jahre, in denen die Musiker der Streichabteilung die jüngeren Musiker des Blasorchesters darum baten, verstärkt im Salonorchester mitzuwirken, bis ins Jahr 1952, wo als letzte Notiz über die Streichabteilungen die Bitte des 1. Vorsitzenden zu finden ist, die Streichmusiker mögen sich als aktive Musiker dem Verein anschließen, wozu anscheinend alle ihr Ja gaben.

Ende 1920 "sickerte auch in unserer Gegend die Notwendigkeit einer Organisation für den Musiker durch", wie es in den Annalen des Blasmusik-Kreisverbands Ludwigsburg verzeichnet ist. Angesichts dieser Tatsache wurde am 12. Februar 1921 in Bietigheim der "Bezirk 5 Bietigheim" als Mitglied im Süddeutschen Musikerverband gegründet. Neben 10 weiteren heute im Kreis Ludwigsburg noch existierenden Kapellen schloss sich die Stadtkapelle Marbach sofort diesem Verband an und gehört somit zu den Gründungsmitgliedern des "Blasmusik-Kreisverband Ludwigsburg". Der Stellvertretende Dirigent der Marbacher, Traugott Jauß, erklärte sich bereit, als Kassenwart im "Bezirk 5" zu fungieren, der Dirigent der Stadtkapelle, Rudolf Stiegler, wirkte ebenfalls bis Ende der 20-er Jahre als technischer Beisitzer in diesem Musikerverband mit.

In den zwanziger Jahren waren die Vereine mit hohen Abgaben an den Staatssäckel belastet. Trotzdem konnte sich der Musikverein mit seiner Blaskapelle als fester Bestandteil im kulturellen Leben Marbachs behaupten. Auftritte bei öffentlichen Anlässen wie Maifeiern und Totengedenktagen, bei Vereinsjubiläen Marbacher Vereine, bei Weihnachtsfeiern, Kinderfesten und unzähligen Promenaden- und Platzkonzerten zeugen von einer regen Tätigkeit der Stadtkapelle. Die Beliebtheit in der Bevölkerung nahm zu. Im Jubiläumsjahr 1925 verzeichnete man als jüngster Verein Marbachs einen Stand von 250 passiven Mitgliedern. Diese Zahl schwankte in den Jahren der Weltwirtschaftskrise und erreichte zu Zeiten der "nationalen Revolution" 1933 einen Tiefstand von 108 bei 23 aktiven Musikern. Allem Anschein nach machte sich trotz manch euphorischer Auswüchse zu dieser Zeit auch eine leichte Depression breit. Denn wie anders ist die Niederschrift des Schriftführers vom 31.12.1933 zu verstehen? - "Am Alten Abend versammelten sich die Aktiven bei Mitglied Haag zum Schiff, um dem scheidenden Jahr den Rest zu geben." Oder waren es leise Vorahnungen?

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"STADTKAPELLE - MUSIKVEREIN MARBACH"

Das 25-jährige Jubiläum verband die Stadtkapelle mit einer Fahnenweihe und beging die Festivitäten erstmals in einer einheitlichen Uniform. Um die Anschaffung einer Fahne verwirklichen zu können, wurde in Marbach eine Haussammlung durchgeführt, die für den Verein ein erfreuliches Ergebnis brachte. Den Akt der "Bannerweihe" verband der 1. Vorsitzende Gotthilf Jauß mit den hoffnungsfrohen Worten, die Fahne möge "stolz über dem Verein wehen, freudig und freudeverkündend in Zeiten der Freude und des Glücks, erhebend, tröstend, mahnend und begeisternd in Zeiten der Not und Trauer, allzeit aber ein Symbol der Reinheit und Tugend."

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Die Vorderseite der Fahne zieren die Worte: "Musik und Liebe in schönem Verein, erhalten dem Leben den Jugendschein" und getreu diesem Motto fanden sich die Mitglieder der Stadtkapelle unter diesem Vereinssymbol über Jahrzehnte hinweg zur Pflege und Ausübung der gemeinsamen Liebe zur Volksmusik.

1926 beschloss der Gemeinderat für den Musikverein als Anerkennung seiner Leistungen einen jährlichen Zuschuss von 360 Reichsmark. Als Gegenleistung wurde die Kapelle verpflichtet, achtmal im Jahr an verschiedenen Plätzen der Stadt ein Platzkonzert zu veranstalten.

Auf Wunsch von Stadtschultheiß Kopf trägt der Verein ab 1927 den Namen "Stadtkapelle-Musikverein", ein Doppelname, der bis heute geblieben ist. In Würdigung seiner Verdienste ernannte man den Stadtvorstand dann beim 30-jährigen Bestehen zum Ehrenmitglied. Auch bei diesem Jubelfest präsentierte sich die Stadtkapelle wiederum in einer neuen Kleidung. Und so nebenbei auch unter einer neuen Bezeichnung, denn die Stadtverwaltung hat die Kapelle im Jahr 1930 "neben finanzieller Unterstützung" auch zur "Feuerwehrkapelle" ernannt, eine Titulierung, die sich bis nach 1935 gehalten hat.

WOHLTÄTIGKEITSKONZERTE

Oskar Wendnagel (Heimatdichter) schrieb als Willkommensgruß zum 19. Bezirksmusikfest in Marbach (1959) in einem Gedicht u.a. folgende Strophe:

Ihr dient dem Klang, der uns begleitet,
wenn Freud und Leid das Herz bewegt,
der uns zum höheren Sein geleitet,
das uns zu hellen Sternen trägt.
Seht, wie die dunklen Geister fliehen,
besiegt vom Klang der Harmonien!

In diesen Zeilen liegt sicherlich ein Kern des Selbstverständnisses der Stadtkapelle Marbach was die soziale Komponente in der langen Zeit ihres Wirkens anbelangt. Dabei gehörten Konzerte und Aktivitäten zur Unterstützung von Mitgliedern und Menschen in Not genauso zu ihrer Überzeugung wie die Festmusik bei fröhlichen Anlässen. In den Zeiten der Weltwirtschaftskrise initiierte man zusammen mit dem Männergesangverein und dem Liederkranz abwechselnd Wohltätigkeitskonzerte (1931 und 1932) für ihre arbeitslosen Mitglieder und für die Marbacher Erwerbslosen, deren Erlöse an die Marbacher Stadtpflege abgeführt wurden. Mitglieder in Not konnten auf die Hilfe des Vereins bauen. Eine Aufzeichnung aus dem Jahr 1935 beschreibt "die Lage eines Mitglieds und kann demselben evtl. die Stiefel bezahlt werden." Mit den dreißiger Jahren kamen wie allgemein schwere und harte Zeiten auf die Stadtkapelle-Musikverein Marbach zu. Sah es am Reichsbannertag 1931 bei der ersten öffentlichen Demonstration des sozialdemokratischen Wehrverbands zum Schutz der Republik in Marbach noch so aus, als ob die Stadtkapelle durch ihre Teilnahme einseitig politische Stellung beziehe, so lassen sich spätere Beteiligungen bei Aktionen nicht eindeutig einordnen.

KAPELLE UND VEREIN IM DRITTEN REICH

Durch die Zustimmung des Reichstags im März 1933 zum Ermächtigungsgesetz war die parlamentarische Republik außer Kraft gesetzt und die Legislative damit in Händen der NSDAP. Kurz zuvor wurden in Marbach die polizeiliche Schließung der Spielplatzhalle und ein Verbot des Reichsbanners angeordnet, was von den Nazi-Organisationen und den nationalen Vereinen unter den Klängen der Stadtkapelle mit einem Zug durch die Stadt und einem Festakt mit weiteren Marbacher Vereinen bekräftigt wurde, so wie auch die Feiern zu Hitlers Geburtstag vier Wochen später von ihr musikalisch umrahmt wurden. Die Stadtkapelle geriet wie nahezu das ganze Volk in den Sog dieser nationalen Bewegung und wurde genauso ihrer Eigenständigkeit beraubt. In der Hauptversammlung 1934 erläuterte Ortsgruppenleiter Bolch das neue Wahlverfahren nach dem Führerprinzip, nach dem nur noch der Vorsitzende (Paul Stiegler) gewählt und die übrigen "Amtswalter" von ihm mit der Vorgabe bestimmt wurden, "alte verdiente Kämpfer von der Partei" unterzubringen. Der Dirigent Rudolf Stiegler fungierte fortan als "Musikzugführer" und im Zuge der Gleichschaltung verkündete der Ortsgruppenleiter die neuen Richtlinien. Die Kapelle Buyer wurde unter der Bezeichnung "Streichorchester" der Stadtkapelle zugeordnet, die kurz danach als offizielle "PO.-Kreiskapelle" der NSDAP ihre Auftritte vollzog.

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Während des Dritten Reiches pulsierte das Vereinsleben nahezu ungebrochen. Sommerfeste und Konzerte, Familien- und Weihnachtsfeiern, Ausflüge und Faschingsveranstaltungen gehörten ebenso zum Programm wie das Bezirksmusikfest 1935 anlässlich des 35-jährigen Bestehens der Kapelle, das eben unter politischen Vorzeichen mit dem "Reichsverband" der "Südmark" ablief, aber ansonsten von großem gesellschaftlichem Erfolg geprägt war. Mehr als 20 Musikkapellen zogen am Sonntag, dem 14. Juli 1935, wie ein Lindwurm durch die Straßen des Schillerstädtchens und erfüllten Marbach an allen markanten Plätzen mit Blasmusik. Das parallel zum Fest stattfindende Wertungsspiel wurde um 5.30 Uhr wiederum mit der damals üblichen Tagwache eingeleitet und den ganzen Tag über im "SA-Heim" (Spielplatzhalle) durchgeführt. Der Abend war einem Festbankett vorbehalten, dessen 1. Teil der Liederkranz mit dem Salonorchester und den 2. Teil der Männergesangverein mit dem Blasorchester bestritten. Kinderfeste bildeten in all den Jahren immer eine willkommene Bereicherung der Musikfeste, aber in diesem Jahr wurde das sorgfältig geplante Fest für die Jugend kurzfristig vom Ortsgruppenleiter der NSDAP abgesagt, da solche Feststimmung vermutlich nicht den verordneten Idealen und Ritualen entsprach und folgedessen nicht in die politische Landschaft passte.

VOR DEM 2. WELTKRIEG

Missstimmungen unter den Musikern riefen die oft unverständlichen restriktiven Anordnungen der Partei hervor. Die Kapelle wurde zu einer großen Zahl an Veranstaltungen zwangsverpflichtet und häufig unentgeltlich in Anspruch genommen. Als Entschuldigung beim Fehlen in der Probe wurde nur ein ärztliches Zeugnis akzeptiert, bei mehrmaligem Fehlen wurde man auch mal aufs Rathaus zitiert und musste sich dort rechtfertigen. Alles in allem wuchs die Unzufriedenheit immer mehr, die entstandenen Unkosten waren nicht mehr gedeckt und viele Musiker blieben mehr und mehr den Proben und Veranstaltungen fern und kehrten der Kapelle den Rücken. Keine einfachen Probleme für die Vereinsführung: auf der einen Seite standen die ständig wachsenden repräsentativen Anforderungen der Nazis bei öffentlichen Anlässen (mehr als 60 Auftritte im Jahr waren keine Seltenheit) und demgegenüber die Unzufriedenheit der Musiker. Dies führte so weit, dass Paul Stiegler wegen der zunehmenden Streitigkeiten sein Amt niederlegte, Rudolf Stiegler die Proben bis auf weiteres absagte, worauf sich sogar Bürgermeister Kopf einschaltete und die Wogen zu glätten versuchte. Willy Haist übernahm kommissarisch die Vereinsgeschäfte und erreichte mit viel Geduld und Überzeugungskraft Einigkeit und damit das Fortbestehen der Stadtkapelle. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges brachte das Vereinsleben ab 1940 fast völlig zum Erliegen und der Musikbetrieb ruhte. Nach dem Kriegsende und dem Einmarsch der Alliierten machte sich Niedergeschlagenheit breit. In einem abschließenden Protokoll von 1946 schrieb Rudolf Stiegler über die Bilanz der Kapelle, dass mit ihr "ein Stück Kulturarbeit ins Grab gesunken" ist. 15 aktive Musiker wurden aus der Mitte des Vereins gerissen:
Karl Boshart
Joseph Hacker
Willy Riedel
Wilhelm Stiegler
Max Buyer
Ernst Jauß
Ernst Stiegler
Willy Stiegler
H. Espenlaub
Gotthilf Jauß
Hermann Stiegler
Ernst Strähle
Adolf Feinauer
Willy Lochmann
Paul Stiegler

Das Schicksal einiger weiterer Musiker war teilweise noch unklar.

WIEDERZULASSUNG DER STADTKAPELLE

Nachdem durch die amerikanische Besatzungsmacht jegliche Vereinsarbeit unmittelbar nach Kriegsende verboten war und Übertretungen hart bestraft wurden, begann man zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs mit der Wiederaufnahme des Musikbetriebs. Im Frühjahr 1947 hat das Kulturamt einer Zulassung der Stadtkapelle zugestimmt, Rudolf Stiegler stellte sich als 1. Vorsitzender und Dirigent zur Verfügung und begann mit der neuerlichen Aufbauarbeit. Dabei konnte er auf einen Stamm an Musikern zurückgreifen, die zwar schon zu Zeiten der Nazis aktiv waren, aber nach der allgemeinen Überprüfung im Rahmen der Entnazifizierung nicht von öffentlichen Betätigungen ausgeschlossen waren.

tl_files/MV/DerVerein/vereinschronik-Dateien/image025.gifGanz allmählich ging es trotz der "katastrophalen Lage" und eines "erschütternden Kassenberichts" nach der Währungsreform im Juni 1948 aufwärts, als sich auch nach und nach die Kriegsgefangenen wieder einstellten. In unermüdlicher Kleinarbeit hat sich dabei Rudolf Stiegler große Verdienste um das Fortbestehen des Vereins erworben.

Nach mühevollen Probearbeiten konnte man auch bald wieder musikalisch an die Öffentlichkeit treten und tat dies erstmals am 10. November 1948, als man zusammen mit dem Liederkranz an Schillers Geburtstag vor dem Geburtshaus dem großen Sohne unserer Stadt huldigte, eine Tradition, die sich bis heute erhalten hat.

Bald stand auch schon ein weiteres Großereignis ins Haus: das 50-jährige Jubiläum der Stadtkapelle galt es festlich zu begehen. Die Scherben des Krieges waren aus dem Weg geräumt und Christian Spitzwegerich, alias Oskar Wendnagel, bescheinigte der Stadtkapelle in seinem Gedicht zum 50-Jährigen, auch ihren Teil dazu beigetragen zu haben, wenn er sagt:

Von mancher Sorgengrille
hat sie das Herz befreit.
Ob Blech, ob Holz die Hülle,
Sie gab der Freuden Fülle
Auch in beschwerter Zeit.

Mit der Ausrichtung des 19. Bezirksmusikfestes des Blasmusik-Kreisverbands im Jahre 1959 hatte sich die 1955 unter Karl Haufler neu gebildete Vorstandschaft an eine große Aufgabe herangewagt (Karl Haufler löste Theo Frech ab). Aus dem Verbandsgebiet hatten sich 27 Kapellen, damals einige noch aus dem Raum Backnang, zum parallel stattfindenden Wertungsspiel gemeldet, das organisatorisch minutiös abgewickelt werden musste. Bis zum 60-jährigen Jubiläum der Stadtkapelle war auch das äußere Erscheinungsbild der Musiker wieder auf Vordermann gebracht: einheitliche Hemden und Mützen ergänzten die neue Uniform, zu der erstmalig Marschtaschen zum Umhängen gehörten.

AUFNAHME VON AUSLANDSKONTAKTEN

In den 60-er Jahren regte sich auch immer mehr der Wunsch nach Auslandskontakten. Schließlich wollte man "zum 40-jährigen Jubiläum des Musikvereins eine Auslandskapelle als Abwechslung verpflichten." Also reiste man 1961 zum ersten Auslandsausflug nach Hafling in Südtirol. Politische Unruhen in dieser Gegend brachten die Reise fast noch zum Scheitern. Über 10 Jahre hinweg hielten die freundschaftlichen Bande, die 1962 in Marbach und bei weiteren Gegenbesuchen gefestigt wurden.

Aus dem gleichen Jahr datieren die Beziehungen zur "Feldmusik Marbach" im Kanton Luzern in der Schweiz, die neben den Haflinger Musikfreunden vom 28.-30.7.1962 beim Jubiläums-Fest am Neckar ebenso für interessante Farbtupfer sorgten. Die Vorsitzenden der Stadtkapelle-Musikverein, die Karl Haufler nach seiner Amtszeit folgten (Karl Gerstenecker, Anton Liebler, Herbert Wegenast, Eberhard Waser und Andreas Seitter), waren stets um internationale Freundschaften bemüht. Die mit der Schweizer Kapelle bestehenden Freundschaftsbande gehen demnächst ins 5. Jahrzehnt und wurden bei zahlreichen Besuchen in beiden Marbachs aus den verschiedensten Anlässen wie Fahnenweihe, Dirigenten-Jubiläum oder Festbanketten vertieft. Bestärkt durch die völkerverbindenden Elemente der Blasmusik suchte die Vorstandschaft zwischenzeitlich auch Kontakte zu einer holländischen Kapelle, die aber ebenso unbeantwortet blieben wie der Versuch, über die Botschaft in Bonn mit einer Musikkapelle "aus Ihrer geschätzten Republik" der UdSSR Beziehungen aufzubauen. Der 2. Vorsitzende Leo Burgstaller knüpfte die Fäden mit der Stadtkapelle Grieskirchen in Oberösterreich, die im Jahr 1970 auf Visite nach Marbach kam und durch wiederholte gegenseitige Besuche in ihren Verbindungen gestärkt wurden. In der herrlichen Wachau im Nibelungengau/Niederösterreich liegt die Marktgemeinde Marbach an der Donau, die es Eberhard Waser angetan hatte, was dann im Jahre 1982 zur Kontaktaufnahme und zum ersten Besuch in Marbach/N. geführt hat, denen weitere an Donau und Neckar folgen sollten. Im Jubiläumsjahr 2000 wird es also zum internationalen "Marbach-Treffen" kommen, wenn sich die Schweizer und Österreicher Marbach-Kapellen ein Stelldichein in unserem Marbach geben. Konzertreisen ins Ausland führten die Stadtkapelle schon mehrmals in die Partnerstädte Marbachs nach L `Isle Adam in Frankreich und im Sommer 1998 bei einer einwöchigen Konzertreise nach Washington/ Missouri in den USA. Gute Kontakte wurden stets auch mit inländischen Musikvereinigungen der engeren und weiteren Umgebung gepflegt. Die Reisen zu den internationalen Wertungsspielen in Luxemburg und Prag hinterließen bei den Musikern und Musikerinnen ebenso nachhaltige Eindrücke wie die übrigen Auslandsbesuche.

tl_files/MV/DerVerein/vereinschronik-Dateien/image029.jpg tl_files/MV/DerVerein/vereinschronik-Dateien/image031.jpg

MUSIKFESTE IM SPIEGEL DER ZEIT

Allen zwischendurch vernehmbaren Unkenrufen zum Trotze blühte das musikalische und gesellschaftliche Leben der Stadtkapelle-Musikverein mehr und mehr, was nicht zuletzt als großer Verdienst ihrer Dirigenten zu werten ist. Nachdem Rudolf Stiegler schon nach dem 50-jährigen Jubiläum der Stadtkapelle um Entbindung von seinem Amte bat, übernahm 1953 sein langjähriger Chorführer Paul Leuschel die nicht einfache Aufgabe des Dirigierens, die er bis zum Jahr 1964 gewissenhaft und verantwortungsbewusst ausübte. In diese Zeit fiel die schwierige Fortführung der nach dem Krieg begonnenen Aufbauarbeit. Bei Maikundgebungen, Totengedenkfeiern, Heimattreffen der Vertriebenenverbände oder Kinderfesten war die Stadtkapelle musikalisch gefordert. Die Umrahmung städtischer Feste gehört zu ihren immer wiederkehrenden Aufgaben. Im Zuge der 1000-Jahrfeier Marbachs ergänzten bis in die heutige Zeit die Bürgerfeste das Spektrum bürgerschaftlichen Engagements. Existentielle Fragen führten sowohl für die Bevölkerung als auch für die Vereinsmitglieder zur Entwicklung eigener Traditionen, zu denen seit Mitte der 60-er Jahre die Waldfeste beim Wüstenbachhof gehörten, die 1980 auf den Galgen verlegt wurden und sich einer großen Beliebtheit erfreuen. Oder die Rosenmontagsbälle und andere Faschingsveranstaltungen, die nicht erst seit dem Bezug des eigenen Vereinsheims einen festen Platz im Musikvereins-Kalender haben. Die jährlichen Sommerfeste und Volksmusiktage werden seit der Gründung des Musikvereins regelmäßig abgehalten. Man war stets bestrebt, diese Musikfeste abwechslungsreich zu gestalten. So waren sie in den Anfangsjahren jahrzehntelang fast obligatorisch mit einem Festzug verbunden und endeten stets mit einem Festball in einem Saal einer Marbacher Gaststätte. Mit Beginn der Ausweitung der Festveranstaltungen waren die Verantwortlichen bemüht, internationale Kapellen zu verpflichten. In den 60-er und 70-er Jahren luden sie Militärkapellen der VII. US-Armee und des Musikkorps des französischen Jägerregiments zur Bereicherung der Sommerfeste ein. Mit diesen und anderen Gastkapellen konnte man ebenso den Ansprüchen der jeweiligen Zeit gerecht werden, wie heutzutage mit Rock-Veranstaltungen als Auftakt zu den Volksmusiktagen der Gegenwart.

STADTKAPELLMEISTER PROFESSOR DR. HEINRICH DEPPERT

STADTKAPELLMEISTER PROFESSOR DR. HEINRICH DEPPERTDie Probenarbeit bei der Stadtkapelle übernahm im Jahr 1964 der junge Musikstudent Heinrich Deppert, der sich innerhalb kürzester Zeit nicht nur im Kreis Ludwigsburg einen guten Namen als Dirigent geschaffen hat und durch diese Tätigkeit seine etwas spärlichen Studenten-Aktiva aufbesserte. Während seines Examens und seiner Promotion setzte der Stadtkapellmeister Prof. Dr. Heinrich Deppert aus und konnte 1972 vom damaligen Vorsitzenden Anton Liebler in äußerster Notlage wieder gewonnen werden. Seitdem leitet er das Marbacher Blasorchester und führte es auf musikalische Höhen. Prof. Dr. Deppert pflegte die konzertante Blasmusik und bei den o.a. Wertungsspielen konnten stolze Erfolge eingespielt werden. Seiner Initiative verdankt die Stadtkapelle Marbach 1986 die Einführung von reinen Konzerten, die inzwischen aus dem Marbacher Kulturkalender nicht mehr wegzudenken sind.

Geboren wurde Prof. Dr. Deppert 1935 in Liegnitz/Schlesien, dem Ausgangspunkt seiner schulischen Laufbahn, die ihn u.a. nach Danzig und Schleswig-Holstein führte. In Plön legte er seine Reifeprüfung ab und begann 1956 an der Universität Kiel mit dem Studium der Musikwissenschaften und Mathematik. Ein Jahr später führten ihn seine Studien an die Musikhochschule Stuttgart, wo er sich zunächst beim Komponisten Karl Marx für Komposition einschrieb und wenige Jahre darauf mit der Künstlerischen Prüfung für das Höhere Lehramt abschloss. Am Ende seines achtjährigen Studiums an der Universität Tübingen in den Fächern Musikwissenschaft, Mathematik und Philosophie stand dann die Promotion zum Dr. phil. im Jahr 1971. An der Musikhochschule Stuttgart hatte er zu dieser Zeit schon einen Lehrauftrag für Musik-Theorie, das heißt Komposition, inne. Außerdem war er für Orchestererziehung als Assistent und Vertreter Hans Müller-Krays tätig, insbesondere in der Leitung des Hochschulorchesters, und war für musikalische Fragen beim Rundfunksinfonieorchester zuständig. Über 17 Jahre hinweg arbeitete er als freier Mitarbeiter beim Süddeutschen Rundfunk Stuttgart, verfasste Musiksendungen und wirkte als Autor der Sendung "Die Musikalische Morgengesellschaft" mit. Seit 1971 ist Prof. Dr. Heinrich Deppert Dozent für "Musiktheorie" an der Musikhochschule Stuttgart, ein Fach, in dem er inzwischen in Fachkreisen allgemeine Anerkennung erlangte und das ihm 1980 den Professoren-Titel eingebracht hat.

Mit zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen hat sich Prof. Dr. Deppert einen anerkannten Platz unter den Musikwissenschaftlern gesichert. Seine jüngste Veröffentlichung, "Kadenz und Klausel in der Musik Johann Sebastian Bachs", behandelt "Studien zu Harmonie- und Tonartbegriff in der Zeit des Spätbarock." Dieser kurze Abriss des musikalischen Werdegangs des Marbacher Stadtkapellmeisters, ein Titel, der ihm zum 90-jährigen Jubiläum der Stadtkapelle "in Würdigung seiner Verdienste um das musikalische Leben in unserer Stadt" verliehen wurde, lässt deutlich werden, welche Musik dem Profi mit den Amateuren am Herzen lag: sinfonisch-konzertante Blasmusik in möglichst originalen Fassungen aus der älteren Musikgeschichte, die er oft selbst irgendwo ausgegraben hat und inzwischen in einer Sammlung archiviert. Und wenn die nicht zur Hand waren, hat er auch kurzerhand eine Bearbeitung für Blasmusik geschrieben, um den unter ihm bestrittenen Konzerten das entsprechende musikalische Ambiente zu verleihen. Im Übrigen machte er nie einen Hehl daraus, dass er mehr Wert auf niveauvolle Musik legte. Ein kleiner Beweis hierfür mag das Herbstkonzert 1996 sein, als Prof. Dr. Deppert seine Tochter Julia als Solistin zu einem Konzert von Blasorchester und Violine gewinnen konnte. Eine Konstellation, die bei Blasmusik-Konzerten sicherlich nicht alltäglich ist.

Seine Tätigkeit im Bereich der Blasmusik beschränkte sich natürlich nicht nur auf das Dirigieren der Blasorchester, zu denen in seinen Anfangsjahren noch Neckarweihingen, Benningen und Musberg gehörten. Er stellte sich nach Anfragen aus dem Kreis des Blasmusikverbands als Vertreter des Regierungsbezirks Stuttgart im Landesmusikrat zur Verfügung. In diesem Gremium half er bei der Ausbildung von Wertungsrichtern, leitete Dirigenten-Kurse und brachte seine Kenntnisse in alle Blasmusik betreffenden musikalischen Fragen mit ein. Bei der Gründung des Landesblasorchesters Baden-Württemberg setzte er sich dafür ein, in den Statuten die künstlerische Unabhängigkeit des künstlerischen Leiters dieses Auswahlorchesters zu verankern. Zu Beginn des neuen Jahrhunderts dürfte der langgehegte Wunsch des Blasmusikverbands Baden-Württemberg, an der Musikhochschule Stuttgart einen Studiengang mit Schwerpunkt "Blasorchester-Leitung" einzurichten, endlich in Erfüllung gehen. Prof. Dr. Heinrich Deppert ist Initiator der Einrichtung eines zusätzlichen Hauptfaches, das als Ergänzungsstudium gewählt werden kann und die Ausbildung von Dirigenten in Blasorchestern auf eine entsprechend fachlich fundierte Basis stellen wird.

Seine Tätigkeit als Juror bei Wertungsspielen im deutschsprachigen Raum brachte Prof. Dr. Deppert immer wieder in die Schweiz, wo er häufig mit dem dortigen Bundesmusikdirektor über manchmal unterschiedliche Auffassungen in der Blasmusik fachsimpelte. Eine ganz besonders herzliche Beziehung verband ihn auch mit dem Ehrendirektor der Marbacher Musikfreunde aus Marbach/Luzern in der Schweiz, Albert Benz, der bis zu seinem frühen Tode als Dirigent der Feldmusik Marbach/Luzern wesentlich die Entwicklung der Blasmusik in der Schweiz mitprägte und mitgestaltete.

DIE JUGENDKAPELLE

Ein zukünftiges Fortbestehen der Stadtkapelle wird es nur geben, wenn die Jugend weiterhin für die Blasmusik begeistert werden kann. Das Jugendorchester im Jubiläumsjahr weist eine stattliche Zahl an Zöglingen auf, doch war dies in den letzten Jahrzehnten nicht immer so.Dass dabei den Mitgliedern und Funktionären der Stadtkapelle die Nachwuchsarbeit stets am Herzen lag, beweist nicht nur besagte Zeitungsannonce aus dem Jahr 1901. Immer wieder weist die Vereins-Chronik auf die Nachwuchswerbung und auf Anläufe zur Gründung von Jugendorchestern hin. Doch erst Ende der fünfziger und anfangs der sechziger Jahre nahm die Jugendarbeit langsam konkretere Formen an. Paul Leuschel und sein Sohn Peter Leuschel stellten als Jugendausbilder zu besonderen Anlässen hin und wieder eine Jugendkapelle zusammen, die sich aus den in Ausbildung befindlichen Jungbläsern rekrutierte und von einigen erfahrenen Kräften unterstützt wurde. Im Jahr 1965 stellte sich bei der Jahresfeier in der Stadthalle die erste als solche gebildete Jugendkapelle vor, die unter der Leitung von Roland Greiner stand. In den Folgejahren konnte eine solche Formation nicht durchgehend aufrecht erhalten werden, da große Fluktuationen trotz guter Jugendarbeit entgegenwirkten. Die bis ins jetzige Jahrhundert existierende Jugendkapelle fand ihre Ursprünge Mitte der 70-er Jahre, als unter der Vorstandschaft von Herbert Wegenast eine breitere Basis geschaffen, die Ausbildung von Jugendlichen intensiviert und im Jahr 1976 die "Jugendkapelle Marbach" gegründet wurde.

JUGENDKRITIKSPIELE

Die Ausbildung der Jugendlichen und die Übungsstunden der Jugendkapelle erfolgten im ehemals als Jugendherberge und Jugendhaus genutzten Gebäude in der Unteren Holdergasse, bis man ins neue Vereinsheim umziehen konnte. Im Januar 1977 hatte die Jugendkapelle unter der Leitung von Wolfgang Böpple bei der Jahresfeier ihren ersten Auftritt und konnte im selben Jahr erstmals bei einem Jugendkritikspiel in Kornwestheim antreten, dem noch weitere in Ulm beim baden-württembergischen "Tag der Bläserjugend" und wiederum in Kornwestheim folgen sollten. Während ihres nun schon 25-jährigen Bestehens nahm die Jugendkapelle bereits an mehr als sieben Wertungsspielen für Jugendblasorchester teil und errang durchweg gute und sehr gute Ergebnisse. Die Teilnahme am internationalen Jugendblasmusik-Festival im Mai 1982 in Meersburg war für die Jugendlichen ein besonderes Erlebnis, musizierte man doch zusammen mit Jugendorchestern aus verschiedenen Ländern. Eine Wochenendfreizeit in Balingen nutzten die Jugendleiter 1996 zur Anmeldung der Jugendkapelle bei einem Wertungsspiel des dortigen Blasmusik-Kreisverbands. Da es sich um kein spezielles Jugendkritikspiel handelte, wurde die Marbacher Jugendkapelle in die Kategorie der Aktiven-Orchester eingruppiert und erzielte mit der Note "gut" ein überragendes Wertungsergebnis.

AUSBILDUNG UND FREIZEIT

tl_files/MV/DerVerein/vereinschronik-Dateien/image035.jpgNeben der qualifizierten Ausbildung legten die Jugendleiter von Anbeginn an Wert auf begleitende Freizeit-Maßnahmen. Fanden die ersten Osterfreizeiten noch in Orten des Schwäbischen Waldes statt, so zählen in den neunziger Jahren überwiegend die Schwäbische Alb und der Schwarzwald als bevorzugtes Freizeitgebiet. Wanderungen, Spiele- und Diskoabende ergänzen ebenso das Freizeit-Programm wie Besuche beim Süddeutschen Rundfunk oder den Bavaria Filmstudios. Um die Jugendarbeit innerhalb der Stadtkapelle-Musikverein Marbach auch einem breiteren Publikum nahe bringen zu können, erstellte die Jugendleitung in enger Zusammenarbeit mit allen Jungmusikern und -musikerinnen eine eigene Jugendzeitung "Da Capo". Die Aufmachung und Zielsetzung dieser Vereins-Jugendzeitschrift war dermaßen gelungen, dass sie beim Wettbewerb "Vereinszeitschrift 1995" des WRS-Verlags für Wirtschaft, Recht und Steuern einen 2. Preis zugesprochen bekam. Der Jahreskalender der Jugendkapelle weist in unserer Zeit nahezu identische Termine mit der Stadtkapelle auf. Musikalisch treten die Jungen und Mädchen neben vielen Vereinsveranstaltungen auch häufig außerhalb Marbachs auf. So wird der Maibaum in Rielingshausen seit Jahren unter den Klängen der Marbacher Jugendkapelle aufgestellt. Im Ludwigsburger Krankenhaus erfreuen sich die Patienten bei ihrer Weihnachtsfeier an den Melodien der jungen Musikanten und Musikantinnen aus Marbach. Die Stadt Marbach und Marbacher Institutionen fragen gerne bei der Jugendkapelle nach, wenn es darum geht, Jubiläums- oder andere Festlichkeiten musikalisch zu umrahmen. Um das gesamte Spektrum der musikalischen Jugendausbildung auf eine breite Basis zu stellen, unterhält der Musikverein seit 1995 einen Kooperationsvertrag mit der Musikschule Marbach-Bottwartal. Damit der Einstieg für die Zöglinge in die Jugendkapelle nicht zu krass wird, werden zu gegebener Zeit immer wieder Vororchester gegründet, die das Zusammenspiel in kleinen Gruppen fördern und einen nahtlosen Übergang in die Jugendkapelle ermöglichen. Hierbei ist es für die Verantwortlichen wichtig, auch moderne Bearbeitungen aufzulegen, um die Freude an der Blasmusik nicht nur auf volkstümliche Musik zu reduzieren.

JUGENDLEITER UND - DIRIGENTEN

Als organisatorische Jugendleiter fungierten bis in die heutige Zeit: Roland Greiner (1975-1984), Sabine Häusser (1984-1988), Jürgen Aldinger und Frank Prüwer (1988-1991), Bernd Müller (1991), Heike Singer und Ralf Eisenbarth (1991-1993), Thomas Mayer (1993-1996), Jürgen Burgstaller (1996-1999) und Christine Aldinger und Anja Prüwer seit 1999. Dirigiert wurde die Jugendkapelle von folgenden Jugenddirigenten: Paul Leuschel (1965-1968), Roland Greiner (1964/65, 1969-1972), Peter Leuschel (1972-1973), Rudi Reindl (1973-1974), Wolfgang Böpple (1975-1986), Gunnar Pfeiffer (1987-1988), Frank Prüwer (1989), Rolf Steegmüller (1989-1993) und Jürgen Aldinger seit Januar 1994. Nicht vergessen werden dürfen in diesem Zusammenhang die vielen unermüdlichen Unterstützungen, die der Jugendabteilung innerhalb der Stadtkapelle-Musikverein Marbach in den letzten Jahrzehnten von Seiten zahlreicher Idealisten zuteil wurde. Ihnen gebührt neben den Eltern und allen Helfern ein besonderer Dank für ihre finanzielle, ideelle und tatkräftige Förderung der Jugendausbildung im Musikverein.

VOM EICHHAUS ZUM EIGENEN VEREINSHEIM

Vereinsheim

Wie ein roter Faden zieht sich seit der Ausübung von Blasmusik in Marbach das Thema "Probelokal" durch die Jahrzehnte. War man vor Zeiten der Gründung der Stadtkapelle noch auf private Räumlichkeiten teilweise des Stabführers ausgewichen, so probten die Altvorderen der Stadtkapelle zum Start ihrer musikalischen Tätigkeit im Haus ihres Mitbegründers Gustav Schmückle und in Räumlichkeiten des Schreiners Dambach in der Steinerstrasse 22. Als dessen Haus 1902 abbrannte, versuchte man von der Stadtverwaltung einen Raum im alten Schulhaus in der Unteren Holdergasse 4 zu erhalten. Dies wurde aber abgelehnt, da man Probleme mit den Hausbewohnern befürchtete und außerdem keinen Präzedenzfall eines Proberaumes der Stadtkapelle in einem Schulhaus schaffen wollte. 

So erfolgte die Unterbringung im Eichhaus in der Ludwigsburger Strasse. Nach dem Bau der Turnhalle (1904) konnte man dort 1906 im "oberen Zimmer" unterkommen, wo man aber spätestens 1912, als "die Vereine für Benutzung von Schullokalen und Turnhallen Beiträge an die Stadtkasse zu leisten" hatten, nicht mehr probte, denn die Stadtkapelle wurde unter den Beitragszahlern im Gemeinderatsprotokoll nicht erwähnt. Jedenfalls befand man sich ab 1923 wieder im Eichhaus, da durch die Proben der Stadtkapelle der Turnbetrieb erheblich gestört werde.
Kurz darauf erhielt man doch einen Raum im neuen Schulhaus in der Unteren Holdergasse zugeteilt und konnte dann 1927 dank städtischer Unterstützung von 10RM monatlich ein Wirtshauslokal zum Üben mieten. Kleine Gruppen hatten für Einzelunterricht noch Nutzungsmöglichkeiten in der Turnhalle. Als 1936 ein erneuter Antrag wegen eines Probelokals an die Stadtverwaltung ging, stellte diese zwar einen solchen bereit, kürzte aber daraufhin die jährliche Unterstützung um 120 Mark.

Nach der Wiederzulassung der Stadtkapelle durch das Kulturamt im Jahr 1947 durfte man auch wieder unentgeltlich im Schulhaus seine Übungsstunden abhalten, die Streichkapelle sowie die Stadtkapelle. Ende der 50er Jahre probte man dann im Schulgebäude des Progymnasiums am König-Wilhelm-Platz, und zwar im geräumigen Kellerflur vor den städtischen Wannenbädern. Zu Ferienzeiten waren keine Proben im Schulgebäude möglich, also erkor man das Nebenzimmer des Gasthauses zum "Ochsen" als Ausweichlokal, ehe man dann anfangs der 60er Jahre als Mitglied dem Spielplatzverein beitrat und eine längere Bleibe in der Spielplatzhalle fand.

Nach dem Abbruch der Spielplatzhalle begann wieder ein Leidensweg, der im Handarbeitsraum der Grundschule endete und die Verantwortlichen immer lauter nach eigenen Räumlichkeiten riefen ließ. Schon bei der Hauptversammlung 1970 verlangte der Kassier Emil Greiner den Bau eines Vereinsheims, die Stadt brachte irgendwann ein Holzfertighaus ins Gespräch. Die Verhandlungen mit der Stadtverwaltung wurden 1977 intensiviert und schließlich erreichte man, dass 1978 auf dem Gelände des ehemaligen Spielplatzvereins in unmittelbarer Nachbarschaft zum Fußballclub mit dem Bau eines eigenen Vereinsheims begonnen werden konnte. Im Mai 1979 wurde Richtfest gefeiert und am 28. Dezember 1979 konnte das Heim eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden. Zahlreiche Gäste von befreundeten Vereinen feierten mit der Stadtkapelle-Musikverein den Bezug des neuen Vereinsheims und die beiden Vertreter der Marbacher Kirchen, Stadtpfarrer Elser von der katholischen Kirchengemeinde und Stadtpfarrer Dinkelacker von der evangelischen Kirche, segneten das neue Heim und stellten das Wirken in diesem Haus unter das Lob Gottes. Somit hatte die Vorstandschaft unter Herbert Wegenast der Stadtkapelle Marbach eine große Sorge von ihren Schultern nehmen können, indem sie den Raumnöten seit der Gründung der Stadtkapelle mit dem Abschluss des bisher größten Projekts bei der Stadtkapelle-Musikverein Marbach ein Ende setzen konnte. Kleine Übungsräume, eine Küche und ein Saal für über 130 Personen bieten neben dem geeigneten Angebot an Probemöglichkeiten für die Stadtkapelle noch genügend Platz für die unterschiedlichen vereinseigenen Veranstaltungen, die seit dieser Zeit im Vereinsheim abgehalten werden können. Die räumliche Nähe zum Festplatz bietet darüber hinaus die Möglichkeit, bei größeren Musikfesten das Vereinsheim in den organisatorischen und festbedingten Ablauf mit einzubeziehen. Der 1994 erfolgte Garagenanbau ans Vereinsheim ermöglicht die Unterbringung des vereinseigenen Festzeltes samt Versorgungseinrichtungen, das bei den Festivitäten zwischen den großen Musikfesten, wie Frühlingsfest, Bürgerfest oder Galgenfest, eingesetzt wird und eine von Verleihfirmen unabhängige Durchführung dieser Feste gewährleistet.

PATENSCHAFTEN

Seit der Zeit der "Goldenen Zwanziger Jahre" ist es aus dem damaligen Zeitverständnis heraus in Blasmusikkreisen Tradition, dass sich die Vereine durch gegenseitige Patenschaften unterstützen. Die Stadtkapelle-Musikverein Marbach ist durch solche gegenseitige Wertschätzung mit der Stadtkapelle Backnang und dem Musikverein Zuffenhausen eng verbunden. Die Verbindungen nach Zuffenhausen lassen sich durch genauere Aufzeichnungen und Sachquellen etwas eindeutiger festlegen, wohingegen die Bande nach Backnang nicht mehr eindeutig zu belegen sind. Fest steht, dass die Beziehungen zur Stadtkapelle Backnang spätestens im Sommer 1932 aufgenommen wurden, als die Marbacher Kapelle zu einem Platzkonzert in Backnang weilte, was die Backnanger beim darauffolgenden Sommerfest in Marbach durch ihre Teilnahme beim Festzug und mit einem Festkonzert bekräftigten. 1935 wirkten beide in Backnang existierenden Blasorchester, der "Musikverein J.F. Adolff" und die "Stadtkapelle" beim 35-jährigen Jubiläum der Stadtkapelle in Marbach mit und demonstrierten ihre hervorragenden musikalischen Leistungen beim Wertungsspiel. Zur Zeit des Dritten Reiches gab es keine belegbaren gegenseitige Besuche. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Beziehungen wieder intensiviert, und seit Anfang der 50-er Jahre besteht eine Patenschaft zwischen beiden Stadtkapellen. Im Jahr 1959 traf man sich dann wieder beim "19. Bezirksmusikfest" des Blasmusikverbands in Marbach. Die Stadtkapelle Backnang hatte sich bereit erklärt, den musikalischen Teil bei der Eröffnung des Bezirksmusikfestes beim Festbankett zu übernehmen und nahm so nebenbei auch noch am Wertungsspiel teil. 1964 richteten sie selbst ein Wertungsspiel für den damals noch bestehenden "Bezirk 5" des Blasmusikverbandes aus, an dem auch die Stadtkapelle Marbach erfolgreich teilnahm. Beim 100-jährigen Jubiläum der Stadtkapelle Backnang im Jahre 1969 gehörte die Stadtkapelle-Musikverein Marbach ebenso zu den Gratulanten und beteiligte sich an den Festivitäten mit einem Platzkonzert auf dem Marktplatz und einer anschließenden Teilnahme beim Festzug. In den Jahren nach 1959 bis Anfang der 70-er Jahre besuchten sich beide Stadtkapellen auch bei kleineren festlichen Anlässen immer wieder. Als dann die Kreisreform der 70er Jahre auch eine Umstrukturierung beim Blasmusik-Kreisverband nötig machte, dürften sich die Beziehungen mit Backnang im Zuge der Umorientierung zu anderen Kapellen der jeweiligen Kreise allmählich verloren haben. Die ersten Kontakte mit den Musikfreunden aus Zuffenhausen reichen bis ins Jahr 1922 zurück, also gleich nach Gründung des hiesigen Musikvereins. Bei dem von den Marbachern ausgerichteten "2. Bezirks-Musikfest" spielte zur Einleitung des Festes die "Kapelle Hoffmann-Zuffenhausen" unter der Leitung von Karl Hoffmann zum Festbankett im Kronensaal auf. Beim parallel zum Fest stattfindenden Wertungsspiel beteiligte sich der Musikverein Zuffenhausen außer Konkurrenz in der Oberstufe und errang einen 1. Preis. Die Verbindungen zwischen beiden Blaskapellen dürften dann auch in den Folgejahren gepflegt worden sein, denn man traf sich bei Musikfesten und Wertungsspielen an anderen Orten.

Als in Marbach die Fahnenweihe anstand, ist der Musikverein Marbach "wegen Übernahme der Patenschaft" an den Musikverein Zuffenhausen herangetreten, was von dort aus bereitwillig zugesagt wurde. Zum Festbankett am Samstag, dem 13. Juni 1925, anlässlich der Fahnenweihe trat der Musikverein Zuffenhausen mit seinen beiden Orchestern, dem Blas- und dem Streichorchester, in Marbach auf. Im August 1928 weihte der Musikverein Zuffenhausen seinerseits seine Fahne und veranstaltete ein Musikfest mit einem Festakt, in dessen Verlauf der Marbacher Musikverein seine freundschaftliche Verbundenheit nach Zuffenhausen mit der Überreichung eines Fahnenbandes dokumentierte. Die Teilnahme am Wertungsspiel des selben Tages in Zuffenhausen war eine Selbstverständlichkeit für die Marbacher Stadtkapelle.

Die Festigung dieser intensiven Bande aus den 20-er Jahren fand im Jahr 1930 bei den Jubiläen der beiden befreundeten Vereine ihren bekräftigenden Ausdruck. Zunächst feierte man in Zuffenhausen das 35. Bestehen des Vereins, wiederum mit einem Wertungsspiel verbunden, und traf sich dann im August in Marbach zum 30-jährigen Jubiläum der Stadtkapelle. So allmählich verlieren sich dann die nachweisbaren Spuren der gegenseitigen Beziehungen und erst im Jahr 1950 liest man in den Aufzeichnungen der Hauptversammlung des Marbacher Musikvereins, dass zum 50-jährigen Jubiläum auch der "Musikverein Zuffenhausen als Patenverein einzuladen sei". Ob dieser Besuch in diesem Jahr letztendlich zustande gekommen ist, lässt sich aus den Annalen nicht mehr genau ersehen, ebenso wenig, wann die Beziehungen endgültig zum Ruhen gekommen sind. Tatsache ist, dass man erst im Jahre 1985 wieder auf die alten freundschaftlichen Bande gestoßen ist und der längst "Stadtorchester-Musikverein Zuffenhausen" heißende Patenverein der Marbacher sich mit seinem "Theaterverein" bei der traditionellen Jahresfeier in der Stadthalle vorstellte und mit einem Schwank zur guten Unterhaltung beitrug.

BLASMUSIK IN DER ZUKUNFT

Schon bei früheren runden Jubiläen der Stadtkapelle-Musikverein Marbach vermerkten die Chronisten, dass ein solches "Stiftungsfest" dem Geburtstag eines einzelnen Menschen gleicht und Gelegenheit bietet, dies als "Ruhepunkt im rastlosen Vorwärtsschreiten" zu sehen und den Blick dabei in die Vergangenheit zurückschweifen zu lassen.

Vielleicht kann die vorliegende Chronik der Stadtkapelle Marbach einen kleinen Beitrag dazu leisten, die Blasmusik auch weiterhin als "reine, wahre Kunst" zu verstehen, die ihren Idealisten stets geblieben ist und selbst in schweren Zeiten einen Rettungsanker darstellte, der immer wieder durch engagierte Männer und Frauen mit neuen Impulsen und Motivationsschüben ergriffen wurde und somit dem Anspruch eines Zitats aus der Vereinsgeschichte gerecht werden kann:
Frau Musika geb´ ihren Segen
Auch weiterhin, der Treue wegen,
Mit der die braven Musikanten
Sich immer ihre Jünger nannten.